
Nach Mondphasen eingeschlagenes Holz ist weder mit Zauber oder Aberglauben behaftet, noch wird aus einem Baum besonderes Bauholz nur wegen des Mondeinflusses. Die Fällung zum richtigen Zeichen ist ein Beitrag zur Optimierung des Endproduktes. Vorher ist es wichtig die geeigneten Bäume für seinen Zweck auszusuchen und den für diesen Zweck richtigen Fällzeitpunkt. Unsere Vorfahren bauten nicht so viel und nicht so oft, sie haben langfristiger gedacht und überlegt, daher hatten sie für ein Projekt eine längere Vorbereitungszeit als heute. Wer einem Kunden kurze Lieferfristen bei Mondphasenholz verspricht, ist entweder ein Zauberer oder Scharlatan. Unsere Vorfahren kannten keine chemischen Holzschutzmittel und trotzdem gibt es uralte Holzbauten, dies ist nicht nur auf die alpinen Regionen Europas bezogen sondern auch auf Japan. Schon die alten Griechen hatten erkannt, dass zu gewissen Zeitpunkten gefälltes Holz haltbarer ist als zu anderen Zeitpunkten. Über Jahrhunderte hat sich das weiter überliefert und weiterentwickelt. Durch das industrielle Denken des letzten Jahrhunderts ist viel vom alten Wissen verlorengegangen und man hat mit Hilfe von Chemie versucht die natürlichen Abläufe zu verändern. Das Ergebnis sind Sondermüll und Holzverschwendung. Wir sollen Holz verwenden, aber nicht verschwenden.
Das sich bei den Überlieferungen auch Aberglauben eingeschlichen hat ist nicht abzustreiten, aber zu erklären. Ein Beispiel: Es gab einen Tag, an dem alles ausgezeigte Bauholz gefällt wurde, aber nur von Männern die in der Nacht davor nichts mit einem Weibe zu tun hatten! Warum das? Baumfällen war früher bedeutend schwerer als heute, außerdem gab es keine Forststraßen, daher auch längere Marschzeiten. Die Männer mussten gut ausgeruht sein um ihre optimale Leistung zu entfalten, vor allem die jüngeren Holzknechte hatten oft lange Gehzeiten zum Fensterln und wären nicht so leistungsfähig gewesen. Daher das Frauenverbot.
Wie kommt nun ein Bauherr zu seinem nach Mondphasen geschlagenem Dachstuhl? Wer sich dazu entschließt sollte dies nicht nur als Modeerscheinung tun, sondern weil er etwas langfristiges schaffen will, daher eine entsprechende Vorbereitungszeit einkalkulieren. Wer 2006 einen Dachstuhl für sein neues Heim benötigt, sollte sich spätestens bis September 2005 mit seinem Lieferanten (Waldbauern) in Verbindung setzen, damit ausreichend Zeit bleibt für die Auszeige und das festsetzen des Fällzeitpunktes. Bei der Auszeige werden die geeigneten Bäume ausgesucht und markiert damit sie im Winter leichter gefunden werden. Zum richtigen Zeitpunkt werden die Bäume talwärts gefällt und mit Ästen und Wipfel bis zum Frühjahr 2006 liegengelassen, dadurch wird dem Baum zusätzlich Feuchtigkeit entzogen. Im Frühjahr werden die Bäume entastet, ausgeformt (auf die dem Holzauszug entsprechende Länge und Stärke abgeschnitten) und zum Sägewerk gebracht. Man kann sich sein Holz aber auch zum Bauplatz bringen und dort von einer Mobilsäge aufschneiden lassen. Der frühest mögliche Zeitpunkt zum Aufstellen des Dachstuhles ist Juni 2006. Wichtig ist dabei, dass auf den konstruktiven Holzschutz geachtet wird, es wäre schade wenn statt dessen auf Chemie zurückgegriffen wird.
Bauherren die so vorgehen, werden sich in den folgenden Jahren hin und wieder dabei ertappen, dass sie das verbaute Holz sinnierend und zufrieden betrachten. Es geht also nicht nur um die richtige Mondphase, sondern um die Beziehung, die man zu „seinem“ Holz aufgebaut hat und dadurch die „Seele“ der Bäume am Leben erhält.
Wer sich noch mehr über Mondphasenholz informieren möchte, dem empfehle ich die Bücher von Erwin Thoma (zu bestellen unter www.thoma.at) zu lesen.