
„Jagabluat“ oder Jagdtrieb habe ich nicht in mir und es widerstrebt mir Lebewesen zu töten. Bis jetzt habe ich es geschafft, dass ich nicht selbst die Jagd betreiben muss, dennoch halte ich sie für notwendig.
„Wo der Wolf seine Fährte zieht, wächst der Wald“ lautet ein altes russisches Sprichwort. Das unsere vorhandenen Wildstände fern vom natürlichem Gleichgewicht sind, weiß jeder, der sich nur ein bisserl mit den Schalenwildbeständen von einigermaßen natürlichen Wäldern beschäftigt. Die natürlichen Feinde (Wolf, Bär und Luchs) unseres Schalenwildes fressen was sie erwischen, vitales Wild überlebt, wie viele Enden der Rehbock oder Hirsch am Haupt hat ist dabei uninteressant. Da die natürlichen Feinde von unseren Vorfahren als „Nahrungskonkurrenten“ ausgerottet wurden, ist die Jagd auf Schalenwild heute einfach notwendig.
Ich betrachte es als grotesk und widernatürlich, dass die Trophäe den zigfachen Wert des Wildbrets hat. Die schönen ungeschälten Altbestände stammen aus einer Zeit, in der die Bauern aus Nahrungsgründen gejagt bzw. die Holzknechte gewildert haben. Heute herrscht Trophäenkult und die „Fleischjagd“ ist verpönt. Die Generationen nach uns werden sich bedanken für die Holzqualitäten die wir ihnen hinterlassen. Es wäre aber falsch, die gesamte Verantwortung dafür ausschließlich der Jagd zuzuschieben.
Wer sich eine gute Jagd leistet, der muss auch viel Geld verdienen, dem fehlt aber die Zeit bei der Jagdausübung weil er ja dieses Geld verdienen muss. Wer wenig Zeit hat, braucht hohe Wildstände um leichter zu seinem teuren Abschusserlebnis zu kommen. Der Versuch, den Holzwertverlust durch höheren Jagdpacht auszugleichen und damit höhere Wildstände in Kauf zu nehmen ist sehr kurzsichtig, es ist ein Abwälzen des Schadens auf die nächste Generation. Wenn ein Fehler aus Nichtwissen oder Unverstand gemacht wird, ist er noch verzeihlich. Die Generation vor uns hat in „blindem Fortschrittsglauben“ die Fichte als Brotbaum in Monokulturen forciert und dazu wurden durch die immer stärker werdende Jägerlobby die Schalenwildstände überhöht. Die Folgen sind fatal, zusammenbrechen von Beständen durch Schälschäden und der Ausfall ökologisch wichtiger Mischbaumarten durch den Verbiss. Es ist sehr viel Arbeit solche Fehler wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. In einer Zeit, in der wir doch so aufgeklärt und nahezu allwissend sind, solche Fehler nicht zur Kenntnis zu nehmen ist schlicht verantwortungslos.
„Zu wenig und zu viel, ist der Narren Ziel“! Das menschliche Wahrnehmungsvermögen ist sehr subjektiv, was dem Einen zu wenig, kann dem anderen schon zu viel sein. Der goldene Mittelweg sollte in meinen Augen das Ziel sein. Rehwild ist anpassungsfähiger als Rotwild, daher sind Rückzugsgebiete für diese Wildart einfach notwendig und es wäre ein Armutszeugnis für uns, wenn aus wirtschaftlichen Gründen kein stolzer Hirsch mehr durch unsere Wälder ziehen würde. Eine tragfähige Artenvielfalt wie im Waldbau sollte auch beim Wild das Ziel sein.
Nachtrag zur Fleischjagd: Wildfleisch ist eines der
hochwertigsten Nahrungsmittel wenn das Tier artgerecht wie Wild gelebt hat. Hohe
Wildbestände in Wintergattern oder mit Großfütterungen über den Winter zu
bringen und dabei mit Kraftfutter zu mästen ist unnatürlich. Wild verkommt
dort wie Menschen in einem Ghetto. Durch die neue Wildfleischverordnung ist der
Standard in der Wildbrethygiene sehr hoch. Kaufen sie ihr Wildfleisch aber
direkt beim Jäger, Waldbauern oder Forstbetrieb in Österreich, es wird ihnen in
der Decke oder auch sauber zerteilt und verpackt angeboten. Sie haben dadurch
Qualitäts- und Herkunftsgarantie und für den Anbieter erhöht sich die
Wertschöpfung.
Wildfleisch ist relativ einfach zuzubereiten und der Phantasie sind keine
Grenzen gesetzt. Hier ein paar Wildrezepte aus meiner gastronomischen
Vergangenheit im Gasthof "Gscheiderwirt".
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"Schwarzauer Wilderertopf"
(8 schöne Portionen) |
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"Hirschnuss in Wurzelrahmsauce"
(10 - 12 Portionen) |
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Gamsrückenmedaillons "Erzherzog
Johann" |
Der Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, so kann man die Wildarten bei den verschiedenen Gerichten ohne weiteres austauschen.
Ich wünsche gutes Gelingen und guten Appetit!
Wildessen ist der kulinarische Beitrag zur naturnahen
Waldwirtschaft.
„Waidmannsheil“
Gottfried Schruf jun.