Beschreibung des Forstbetriebes

Von den 115 ha Gesamtfläche sind 102 ha reine Waldfläche, der Rest sind Wiesen, die Fischzuchtanlage und bebaute Flächen. Der Wald liegt im Wuchsgebiet Nördliche Randalpen – Ost auf Kalk-Rendsina mit einzelnen Mischböden (Kalksteinlehm) am Nordost-Hang des Sulzberges und reicht von 630m bis knapp unter 1.000m Seehöhe. Im Schnitt ist mit etwa 1.300 bis 1.500mm Jahresniederschlag zu rechnen. Ca 40% der Fläche sind mehr nach Osten geneigt, im unteren Teil eher steil und nach oben abflachend. Einen Großteil nimmt die Fichte ein, diese wird zu Gunsten anderer Baumarten (Ahorn, Lärche, Kiefer, Tanne und teilweise auch Buche)  bei Nutzungen entnommen. Ungefähr ¾ dieser Fläche wurde bereits durchforstet bzw. entrümpelt.

Der Nordhang, die sogenannte Grabenleiten, ist in etwa 2/3 der Höhe durch Felsabbrüche und –wände unterbrochen, unterhalb schwankt die Hangneigung zwischen 50 und 90%, darüber flacht der Hang bis zum Bergrücken ab. Die Bestände unterhalb der Felsen sind teilweise stark von Steinschlag geschädigt und können als Schutzwald im Ertrag bezeichnet werden. Durch die Steilheit wurde der Wald früher weniger genutzt und ist mehr mit Laubholz, vor allem Buche, bestockt. Die Kahlschläge in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden allerdings nur mit Fichten aufgeforstet, einzelne natürliche Einmischungen von Lärchen, Buchen und Ahorn sind trotzdem vorhanden. Durch die Erschließung mit Forststraßen  können auch diese Bestände mit der gemeinschaftlichen Kleinseilbahn schonend bewirtschaftet werden. Die Aufschließung für die gesamte Waldfläche beträgt 50 lfm pro ha.

Jeder Wald hat nicht nur seine natürliche Entstehungsgeschichte sondern auch seine wirtschaftliche, die mit verantwortlich ist für den heutigen Zustand. Waldweide war wichtig und bis in die späten 60er Jahre üblich, die zu dieser Zeit weit überhöhten Wildbestände ebenso. Wer zu dieser Zeit kein Rotwild bei der Fütterung hatte, galt als arm. Zusammen mit 26 ha Jagdeinschluss wurden damals bis zu 35 Stück Rotwild über den Winter gefüttert. Die Schälschadensflächen sind mit den Wintersonneneinstrahlungsflächen verfolgbar. Holz aus diesen Flächen ist fast nur mehr als Hackschnitzel verwertbar. Bevor es zu den überhöhten Wildständen kam, war mein Großvater für die Jagd verantwortlich, es gibt aus dieser Zeit kaum Schälschäden, allerdings wurde auch nichts aufgeforstet weil er freie Sicht zur Jagdausübung brauchte. Ein großer Teil unserer Bestände ist zwischen 50 und 70 Jahre alt und wurde von meinem Vater begründet, der allerdings so wie ich kein „Jagabluat“ hat.

In dieser Zeit wurde die Fichte als Brotbaum forciert, wobei mein Vater nach Möglichkeit auch darauf achtete, dass Laubholz als Bodenverbesserer dabei war. So wurden z. B. auch Birken nach Durchforstungen belassen wenn sonst keine andere Laubholzart vorhanden war. Heute wird die Fichte zu Gunsten anderer Baumarten entnommen.

Die Jagd wird heute an Pauschalabschussnehmer vergeben, das Jagdrecht bleibt damit bei uns. Nach längerer Suche haben wir derzeit den richtigen (Forst)Mann dafür gefunden.

Waldbaulich wird versucht mit Zielstärkennutzung mehr Strukturunterschiede in die Bestände zu bringen und eine Abkehr vom Altersklassenwald zu schaffen. Es gibt keine einheitliche Zielstärke, sie hängt vor allem von der Vitalität des einzelnen Individiums ab, grobastige Bäume werden schon ab 45cm BHD entnommen, je schöner und gesünder um so höher die Zielstärke. Grundlage für unsere Waldbewirtschaftung ist ein sogenannter Hygienehieb (Entrümpelung), bei dem alles Schadholz entnommen wird ohne Rücksicht auf Alter oder Stärke des jeweiligen Baumes, dadurch entstehen oft Lücken und damit neue Strukturunterschiede, mit dem verbleibenden Bestand wird dann weiter gewirtschaftet. In Pflegeintervallen von 5 - 10 Jahren wird versucht die Qualität einzelner Bäume zu fördern. Flächen die auch im Winter erreichbar sind, werden kleinräumiger und in kürzeren Intervallen bearbeitet. Der Jahreseinschlag betrug bisher im Schnitt rund 800fm (inkl. Hackgut und Bauholz für den Eigenverbrauch), der tatsächliche jährliche Einschlag richtet sich nach Schadholzanfall und Marktchancen.

Als ich Ende 1988 den Gasthof geschlossen und mich voll auf den Forstbetrieb verlegt habe, hat man mir prophezeit, dass dies nur 10 Jahre geht und was machst du dann. Seit damals wurden ca. 14.000fm Holz entnommen, 2,4km Forststraßen neu gebaut, der Fuhrpark (siehe Maschinenausstattung)  angeschafft, eine Hackschnitzelhalle, die neue Wehr gebaut und vieles mehr. Da man bei uns, trotz der intensiven Holznutzung, kaum Kahlflächen sieht, wird gemunkelt: „Der hockt jo sei Hoiz ban Nochban“! Alles nur eine Frage der Nutzungsform und Intensität (im eigenen Wald).
Das Qualitätsprinzip gilt im Forst genau so wie in meinem früheren Beruf als Koch, nur eben etwas langfristiger. Während man als Koch zu Mittag mit seinem Produkt fertig sein muss, spielt in der Waldbewirtschaftung ein Jahr nicht wirklich eine Rolle. Maßnahmen und Fehler wirken sich hier wie dort nachhaltig aus, das Ausbleiben von Gästen ist eben augenscheinlicher. Im Waldbau bleibt etwas mehr Zeit seine Ziele und Vorhaben zu überlegen. Mir persönlich gefällt dabei, dass hier ebenfalls Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind und das ich meinen Lebensraum wirklich gestalten kann.

„Pflege durch Nutzen“ ist so wie in Aigen-Schlägl unser Motto. Jeder Wald wächst, aber durch pflegen wird er vitaler und bringt er mehr Ertrag. Holz ist in seiner Vielfalt der Rohstoff mit Zukunft, dazu bedarf es permanenter Qualitätsförderung. Die Qualitätssteigerung ist im Forst für viele Menschen ein eher abstrakter Begriff. Man muss dafür das Rad nicht neu erfinden, man muss es nur in Bewegung setzen indem man die natürlichen Anlagen und daran arbeitet.

Durch die eigene Holzweiterverarbeitung hat sich auch mein Qualitätsverständnis geändert. Wenn auch im kleinen Rahmen, so ist doch Waldbau, Holzgewinnung und Verarbeitung in einem Betrieb, dies eröffnet einen ganzheitlichen Blickwinkel.
 

 

Dies ist ein Überblick über unseren Forstbetrieb aus der Sicht vom

Waldbauern aus Leidenschaft

Gottfried Schruf jun.

Waldbau Wildbret